"Das Wort ist die schärfste aller Waffen"
In einer bewegenden Rede hat sich Ingrid Betancourt am 8. Oktober 2008 für die Unterstützung des Europäischen Parlaments während ihrer Gefangenschaft bedankt. Das Wort sei "die schärfste aller Waffen, mit Worten können wir befreien, Worte sind die Lösung". Sie rief dazu auf, für die Befreiung der zurückgebliebenen FARC-Gefangenen zu kämpfen.
"Die Tatsache, dass Sie heute hier bei uns sind, ist ein Zeugnis dafür, dass tapfere Menschen im Kampf für Freiheit und Menschenwürde nie die Hoffnung aufgeben", so EP-Präsident Hans-Gert PÖTTERING zu Ingrid Betancourt. "Sie sind in der ganzen Welt zu einem Symbol für Freiheit und menschlichen Widerstand gegen aufgezwungene Bedrängnis und die Beraubung grundlegender Menschenrechte geworden, zu einem Vorbild von Würde und Mut für uns alle", so der Präsident weiter.
Terrorismus, wie ihn die Geiselnehmer von Ingrid Betancourt praktizierten, sei ein "direkter Anschlag auf unsere Werte, auf Freiheit, Menschenwürde und Demokratie". Das Beispiel Ingrid Betancourts zeige uns erneut deutlich, dass Demokraten nie vor dem Terrorismus weichen dürfen. Es sei eine politische und moralische Verpflichtung sicherzustellen, dass die Rechtsstaatlichkeit immer gewahrt bleibt. Jetzt müssten unsere Anstrengungen unermüdlich fortgesetzt werden, um die Freilassung all derer zu erreichen, die noch immer ihrer Freiheit beraubt sind. Dies sei auch einer der Gründe des heutigen Besuches von Ingrid Betancourt.
"Gespürt, dass ich nicht allein bin"
Ingrid Betancourt äußerte ihre Bewunderung für das Europäische Parlament. Südamerika träume davon, eine Institution wie diese zu haben und im gemeinsamen Dialog für eine bessere Zukunft des Kontinents kämpfen zu können.
Sie bedankte sich für den unermüdlichen Einsatz des Europäischen Parlaments. Oft habe sie habe im Radio die Plenarsitzungen gehört, und diese haben ihr sehr geholfen, "denn so habe ich gespürt, dass ich nicht allein bin".
Dass sie noch lebe und ihre Lebensfreude wiedererlangt habe, verdanke sie auch den Anwesenden. Sie bezeichnete das Europäische Parlament als die "Plattform, durch die die ganze Welt erfahren hat, wie barbarisch wir behandelt wurden."
"Das Wort ist die schärfste aller Waffen, mit Worten können wir befreien"
Immer wieder betonte Ingrid Betancourt die "Wirkung des Wortes". Die Worte der Parlamentarier hätten sie befreit, lange bevor sie physisch befreit wurde. "Danke, dass sie ihre Herzen geöffnet haben". Sie bezeichnete das Parlament als "den Tempel der Worte", in dem alle Bewusstseinsprozesse der Bevölkerung beginnen. Das Wort sei die schärfste aller Waffen, "mit Worten können wir befreien, Worte sind die Lösung - und glauben sie mir, da bin ich mir ganz sicher."
Sie bedankte sich zudem bei all den Freiheitskämpfern und Menschenrechtsaktivisten, die sich unermüdlich für ihre Befreiung eingesetzt haben. Sie bedankte sich dafür, dass diese jeden Tag dafür gesorgt haben, dass ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geriet. Überall auf der Welt hätten die Gefangenen Freundschaft und Solidarität erfahren, "und begonnen hat alles hier, im Europäischen Parlament".
Unsere Lebensweise überdenken
"Hätte unsere Gesellschaft nicht ihre Werte umgekehrt, würde es nicht immer nur um das Streben nach Konsum und Aufstieg gehen", sagt sie, dann würden die FARC und andere militante, terroristische Organisationen es nicht schaffen, so viele Menschen zu rekrutieren. Weil sie nach sozialem Aufstieg streben, würden viele junge FARC-Rekruten zum "Kanonefutter eines sinnlosen Krieges".
Sie appellierte an alle, ihre Lebensweise zu überdenken, nicht zu viel zu fordern auf Kosten anderer. "Wir können nicht den Wasserhahn laufen lassen und hoffen, dass das Fass nicht überläuft" sagte sie.
Für Befreiung der FARC-Gefangenen kämpfen
Auch appellierte sie, für die Befreiung der zurückgebliebenen FARC-Gefangenen zu kämpfen. Unter Tränen las Betancourt deren Namen vor und beschrieb die Umstände der Gefangenschaft. Sie erinnerte auch an die gefangen gehaltene burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi.
Unter stehenden Ovationen wurde Ingrid Betancourt verabschiedet. Hans Gert Pöttering beendete die feierliche Sitzung mit den Worten, es habe im Europäischen Parlament selten eine Stunde mit solch tiefen menschlichen Empfindungen gegeben. "Indem sie die Kraft des Wortes preisen, ermutigen sie uns, weiterhin unseren Weg zu gehen und das Gespräch zu suchen."
Diese Informationen finden Sie auch online:
http://www.europarl.europa.eu/news/expert/tous_les_infopress/default/default_de.htm





















