Mittwoch, 7. Oktober 2009

Sacharow-Preis 2009: Die drei Finalisten stehen fest

Die drei Finalisten für den diesjährigen Sacharow-Preis für geistige Freiheit, der vom Europäischen Parlament jedes Jahr verliehen wird, stehen seit gestern fest: der palästinensische Frauenarzt Izzeldin Abuelaish, der Journalist, Dramatiker und politische Häftling Dawit Isaak sowie Lyudmila Alexeyeva, Oleg Orlov und Sergei Kovalev - stellvertretend nominiert für die Organisation Memorial und alle russischen Menschenrechtsverteidiger.

Nominiert: Izzeldin Abuelaish, MEMORIAL und Dawitt Isaak 
Nominiert: Izzeldin Abuelaish, MEMORIAL und Dawitt Isaak

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird seit 1988 jährlich vom Europäischen Parlament an außergewöhnliche Persönlichkeiten verliehen, die sich mutig - und nicht selten zum eigenen Nachteil - gegen Intoleranz, Unfreiheit und Unrecht einsetzen. Im vergangenen Jahr wurde der inhaftierte chinesische Dissidente Hu Jia ausgezeichnet.

Die Ausschüsse für Auswärtige Angelegenheiten und Entwicklung im Europäischen Parlament haben am Dienstag drei Finalisten aus insgesamt 10 Nominierten ausgewählt. Über den diesjährigen Preisträger wird am 22. Oktober durch die Fraktionschefs und den Präsidenten des Europäischen Parlaments entschieden. Am 16. Dezember findet dann die feierliche Preisverleihung im Rahmen der Plenartagung in Straßburg statt.

Die diesjährigen Finalisten (in alphabetischer Reihenfolge):

Dr Izzeldin Abuelaish

Der palästinensische Frauenarzt lebt in Jabalia, dem größten Flüchtlingslager im Gaza-Streifen. Im Jänner 2009 verlor er während des israelischen Bombardements des Gaza-Streifens seine drei Töchter. Dennoch setzt er sich für Frieden und Versöhnung zwischen beiden Seiten ein und möchte zum Gedenken an seine Töchter eine Stiftung ins Leben rufen, die Mädchen und Frauen in der Region Bildungschancen eröffnet.

Dawit Isakk

Der schwedisch-eriträische Journalist und Dramatiker ist seit September 2001 in Eritrea politisch inhaftiert ohne jemals verurteilt worden zu sein. Er hatte sich gemeinsam mit anderen Journalisten sowie Politikern für eine unparteiische Aufklärung der Umstände eingesetzt, die zum Krieg Eritreas mit Äthiopien geführt haben. Dem Journalisten wird Landesverrat und die Annahme von finanzieller Förderung aus dem Ausland vorgeworfen. In einer Resolution setzt sich das Europäische Parlament für seine sofortige Freilassung ein.

Lyudmila Alexeyeva, Oleg Orlov und Sergei Kovalev

Sie sind stellvertrendend für die Organisation Memorial und alle russischen Menschenrechtsverteidiger nominiert. Memorial, zu deren Gründern Andrej Sacharow und Sergei Kowaljow gehörten, setzt sich seit Ende der 1980er Jahre für die Aufklärung der Verbrechen des Stalinismus sowie für dessen Opfer ein. Seit den 1990er Jahren engagiert sich Memorial gegen autoritäre Tendenzen in den post-sowjetischen Staaten und für die Entwicklung der freiheitlichen, demokratischen Bürgergesellschaft.

 .

Frühere Preisträger des Sacharow-Preises:

  • 2008 Hu Jia
  • 2007 Salih Mahmoud Osman
  • 2006 Alexander Milinkevich
  • 2005 Ladies in White, Hauwa Ibrahim, Reporter ohne Grenzen
  • 2004 Belarusian Association of Journalists
  • 2003 UN Secretary General Kofi Annan und alle UN Angestellten
  • 2002 Oswaldo José Payá Sardiñas
  • 2001 Izzat Ghazzawi, Nurit Peled-Elhanan und Dom Zacarias Kamwenho
  • 2000 Basta Ya!
  • 1999 Xanana Gusmão
  • 1998 Ibrahim Rugova
  • 1997 Salima Ghezali
  • 1996 Wei Jinsheng
  • 1995 Leyla Zana
  • 1994 Taslima Nasreen
  • 1993 Oslobodjenje
  • 1992 Las Madres de la Plaza de Mayo
  • 1991 Adem Demaçi
  • 1990 Aung San Suu Kyi
  • 1989 Alexander Dubcek
  • 1988 Nelson Mandela und Anatoli Marchenko (posthum)
 

Weitere Informationen finden Sie hier: