Lehren aus der Aschewolke: Sicherheit zuerst - Alternativen vorantreiben
Nach rund fünf Tagen Zwangspause aufgrund der Gefahr durch die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull waren vor gut einer Woche wieder die ersten Passagier-Maschinen in der Luft. Mit etwas Abstand haben wir nun die Verkehrsexperten des Europaparlaments befragt, wie sie die Sperrung des europäischen Flugraums im Rückblick bewerten und welche Lehren sich daraus ziehen lassen.
Der Tenor der Abgeordneten lautet: Es war richtig, der Sicherheit vor allen anderen Erwägungen den Vorrang zu geben. Die deutlich gewordene Abhängigkeit vom Flugverkehr spricht für einen Ausbau des Hochgeschwindkeits-Eisenbahnnetzes und für die schnellere Umsetzung des Projekts Single European Sky, das heißt dem gemeinsamen Management des Flugverkehrs unter gemeinsamer europäischer Flugaufsicht in Zonen, die sich nicht an nationalen Grenzen orientieren.
Aus Sicht des belgischen Europa-Abgeordneten Mathieu Grosch (Europäische Volkspartei) war die Entscheidung den Luftraum zu sperren grundsätzlich richtig und er hofft, "dass auch in Zukunft Eurocontrol und die nationalen Flugsicherheitsbehörden die Entscheidung treffen und nicht einzelne Fluggesellschaften". Allerdings sei der Umgang mit der Vulkan-Asche durch 27 EU-Mitgliedstaaten und damit 27 verschiedene Behörden "nicht sehr effizient gewesen".
Leider habe Eurocontrol heute noch nicht die Befugnisse, um auf eine solche Krise angemessen zu reagieren, meint Grosch. Der Christdemokrat glaubt, dass die Harmonisierung der Flugaufsicht im Rahmen der Initiative Single European Sky spätestens 2014 Abhilfe schaffen wird. Die gemeinsame Regelung des täglichen Flugverkehrs innerhalb der EU werde ein Mehr an Sicherheit und wirtschaftliche Einsparungen bringen und außerdem die Umwelt- und Klimabelastung durch den Flugverkehr verringern.
Silvia-Adriana Ticau (Sozialisten & Demokraten), Vize-Vorsitzende des Verkehrsausschusses, kritisiert im Rückblick, dass die gestrandeten Passagiere nicht immer optimal informiert worden seien und "sie vielfach nicht genau wussten, welche Rechte sie in der EU als Passagiere haben".
Für die Zukunft plädiert Ticau u.a. für eine bessere Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel und einen Ausbau der Hochgeschwindigkeits-Züge, so dass alle Hauptstädte über gute Zugverbindungen miteinander verbunden sind. Es seien "große Investitionen notwendig, aber die Kosten, die durch das Nichtvorhandensein von Alternativen verursacht werden, können wir uns noch weniger leisten", wie aus ihrer Sicht die Krise gezeigt hat.
Michael Cramer, Verkehrsexperte der Grünen, unterstreicht, dass die Krise "schmerzlich bewusst" gemacht habe, dass "nationale und europäische Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte glaubte, die Eisenbahn vernachlässigen zu können" und "voll auf den Luftverkehr gesetzt" habe.
"Die Fluggesellschaften in Europa bekommen jedes Jahr vom europäischen Steuerzahler 14 Milliarden Euro geschenkt, weil eine Kerosinsteuer nicht erhoben wird. Auch vor diesem Hintergrund relativiert sich der temporäre Einnahmeverlust der Airlines", meint Cramer.
Für den Vize-Vorsitzenden des Industrie-Ausschusses Evžen Tošenovský (Europäische Konservative und Reformisten) war die Schließung des Luftraums "notwendig" Er habe "den Eindruck, dass es koordiniert und mit Blick auf die Sicherheit der Passagiere geschehen" sei. Man sollte aus seiner Sicht allerdings mit Blick auf die Zukunft genau analysieren, ob der Umfang der Maßnahmen wirklich notwendig war.






















