Mittwoch, 14. April 2010

"EU-Landwirtschaftspolitik muss zur Problemlösung beitragen"

Der Anteil der Agrarpolitik am EU-Haushalt ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Aber die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft hat durch die EU-Erweiterung wieder zugenommen. Auch die weltweite steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Klimawandel machen deutlich, dass Agrarpolitik eine Zukunftsaufgabe ist. Die EU-Abgeordneten beraten derzeit wie die Agrarpolitik ab der Mitte des Jahrzehnts aussehen soll.

47% der EU-Fläche wird landwirtschaftlich genutzt
47% der EU-Fläche wird landwirtschaftlich genutzt

Für den neuen EU-Agrarkommissar, den Rumänen Dacian Ciolos, ist die Agrarpolitik einer der Schlüsselbereiche der europäischen Integration. Landwirtschaftspolitik sei auch zentral, wenn es um Themen wie Klimaschutz und "grünes" Wachstum geht.

Im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments führte Ciolos im vergangnen Monat aus, dass nahezu 100% der Bürger Landwirtschaft für unabdingbar für Europas Zukunft halten, aber nur jeder Dritte etwas über die EU-Agrarpolitik wisse. Die EU müsse Antworten auf die Frage finden, wie man erschwingliche Lebensmittel und vernünftige Einkommen für die Landwirte gewährleisten kann, so der Landwirtschaftskommissar.

Der Grünen-Europa-Abgeordnete Martin Häusling kritisierte, dass von der EU-Agrarpolitik große Betriebe stärker profitierten als die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die jedoch einen Großteil der Arbeitsplätze biete.

Nahrungsmittelsicherheit als Herausforderung des 21. Jahrhunderts

Der CSU-Abgeordnete Albert Dess sprach von der großen Verantwortung, dass 500 Millionen Menschen in Europa Essen auf den Tisch bekommen. Dies müsse Priorität haben.

Parlamentsberichterstatter George Lyon von den britischen Liberalen unterstreicht in seinem Berichtsentwurf ebenfalls, dass "die sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln eine zentrale Aufgabe der Landwirtschaft in der EU bleibt, da die Weltbevölkerung Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO zufolge von 6 Milliarden auf 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 ansteigen und sich die Nachfrage nach Lebensmitteln bis 2050 verdoppeln wird".

Allerdings könne dem steigenden Bedarf nicht in herkömmlicher Weise, etwa durch Investitionen und Ausweitung der Flächen, begegnete werden. Dem stehen laut Lyon zum einen die steigenden Energiekosten und zum anderen der Klimawandel entgegen, welcher eine starke Ausdehnung der Nutzflächen verbiete.

"Der Klimawandel wird auch Wasserknappheit und Dürren zur Folge haben, die wiederum eine Produktionssteigerung verhindern. Infolgedessen wird die Landwirtschaft in der EU und weltweit mehr Nahrungsmittel auf einer geringeren Flache mit weniger Wasser und weniger Energie erzeugen müssen", so Lyon.

Aus Sicht Lyons muss die EU-Agrarpolitik dazu beitragen, dass Landwirtschaft in allen Teilen Europas betrieben werden kann, "um die regionale Lebensmittelerzeugung und eine ausgewogene territoriale Entwicklung zu gewährleisten". Die europäischen Landwirte und die EU-Agrarpolitik müssen zeigen, "dass sie auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts reagieren können und Teil der Lösung, nicht Teil des Problems sind".

Landwirtschaft in der EU:

  • 47% der Fläche in der EU wird landwirtschaftlich genutzt
  • Einkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit gingen zwischen 2008 und 2009 um 12,2%.
  • Landwirtschaftliche und Nahrungsmittel produzierende Betriebe tragen mit 14,7% zur Produktion in der EU bei.

Das EU-Parlament ist durch den Lissabon-Vertrag in der Agrarpolitik mit dem Ministerrat gleichberechtigt. Der Lyon-Bericht über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik kommt voraussichtlich im Juli ins Plenum.

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