Zucker, Milch und Wein: Landwirtschaft in den entlegensten Gebieten der EU
In der vergangenen Woche hat das Europaparlament auf der Grundlage des Lissabon-Vertrags erstmals als Gesetzgeber Vorschriften für die EU-Agrarpolitik verabschiedet. Das Thema war relativ exotisch - es ging um Ausnahmeregeln und Hilfe für die Landwirtschaft in Gebieten, die vor allem die große Distanz zum europäischen Festland verbindet: die Kanarischen Inseln, die Azoren, Madeira und La Réunion. Berichterstatter Luís Paulo Alves aus Portugal erklärt, worum es geht.

(Sozialisten & Demokraten)
Um welche Regionen geht es in Ihrem Bericht und warum bedürfen sie besonderer Regeln, was die EU-Landwirtschaftspolitik angeht?
Es geht um die Anpassung der EU-Vorschriften, was die besondere Situation der Kanaren, der Azoren und von Madeira und Réunion anbelangt. Für sie wird es entsprechend der in der vergangenen Woche angenommenen Entscheidung eine Reihe von Ausnahmeregelungen geben.
Zum Beispiel darf auf den Kanaren weiter ein traditionelles Produkt hergestellt werden, das aus Milchpulver und Pflanzenfett hergestellt wird und vor allem von ärmeren Schichten benutzt wird.
Réunion hat Probleme, was die Versorgung mit Milchprodukten angeht - die lokale Produktion reicht nicht aus. Deshalb gibt es für diese Insel eine Ausnahmeregelung wonach H-Milch zu einem größeren Teil aus Milchpulver hergestellt werden darf, als dies sonst der Fall ist. Gleiches gilt für Madeira.
Für die Azoren haben wir auch Übergangsbestimmungen durchgesetzt, was die lokale Zuckerproduktion betrifft. Sie sollten eine allmähliche Diversifizierung der Landwirtschaft der Azoren ermöglichen.
Die Azoren und Madeira werden außerdem für den lokalen Konsum weiterhin Weinstöcke einsetzen dürfen, die als Selbstträger-Kreuzungen [amerikanischer und europäischer Sorten] bezeichnet werden, und die im Rest der EU grundsätzlich nicht zugelassen sind.
Warum diese ganzen Ausnahme-Regelungen?
Wir müssen es in Zeiten der Krise, in der in ganz Europa außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen werden, diesen Inseln ermöglichen, ihre landwirtschaftliche und industrielle Basis zu erhalten und weiterzuentwickeln. Diesen Regionen gemein ist ihre Entfernung von ihren Hauptmärkten und ihre sehr kleinen lokalen Absatzmärkte.
Außerdem basiert ihre Produktion jeweils auf einem Hauptprodukt: auf den Azoren ist das die Milch, auf den Kanaren die Banane.
Es ist durchaus symbolisch, dass dies der erste Fall von landwirtschaftlicher Gesetzgebung ist, bei der das Parlament entsprechend dem Lissabon-Vertrag mitbestimmt - ein Symbol für aktive Solidarität innerhalb der EU, was heute wichtiger denn je ist.















