Mittwoch, 5. Mai 2010

Neue Medien für eine europäische Öffentlichkeit?

Gerade junge Leute, die sonst für die EU-Institutionen schwer erreichbar sind, sind auf Facebook, Twitter und Co sehr aktiv. Für die EU sei es nun an der Zeit, diese neuen Medien verstärkt zu nutzen um so dem Ziel einer europäischen Öffentlichkeit näher zu kommen, meint der dänische EU-Abgeordnete Morten Løkkegaard. Im Kulturausschuss fand diese, aber nicht alle anderen seiner Ideen Zustimmung.

Facebook & Co ©LudwigGatzke
www.flickr.com/photos/stabilo-boss
Facebook & Co ©LudwigGatzke
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Es gibt in der EU einen Überfluss an Information, aber keine wirklich Kommunikation", so Parlamentsberichterstatter Morten Løkkegaard am Dienstag (27. April) bei der Vorstellung seines Berichts im Kulturausschuss des Europäischen Parlaments. "Wir sollten dabei auf der Ebene der Bürger agieren, die Leute mitreden lassen und nicht von oben herab behandeln."

"Dort sein, wo die Unterhaltung stattfindet"

Die neuen sozialen Medien seien der Ort, wo man miteinander kommuniziert. Junge Leute seien nicht nur an den (passiven) Zugang zu diesen Medien gewöhnt, sondern auch daran, die Informationen zu bewerten und zu kommentieren, zu reagieren und mit Freunden zu teilen, erklärte Løkkegaard.

Um diese Zielgruppen zu erreichen, verdeutlichte er, "muss man dort sein, wo die Kommunikation stattfindet, d.h. in Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken."

Außerdem seien die Online-Netzwerke eine ideale Plattform, um Europas Geschichte neu zu erzählen für eine Generation, die bereits mit der EU aufgewachsen ist, so der dänisch Liberale.

Løkkegaard unterstrich, dass das Europaparlament bereits ein Vorreiter in dieser Hinsicht sei, seit es im letzten Jahr im Zuge der Kampagne für die Europawahlen eine Präsenz in den sozialen Netzwerken wie Facebook und MySpace aufgebaut hat.

Darüber hinaus möchte Løkkegaard jedoch die Zusammenarbeit mit Privatunternehmen fördern, denn "der Privatsektor hat sehr viel Erfahrung mit sozialen Medien".

Der französische EU-Abgeordnete Jean-Marie Cavada (Europäische Volkspartei) bedauerte die "Arroganz von EU-Institutionen", die nichts klar erklären. Im Gegensatz dazu stehe man bei sozialen Medien auf gleicher Ebene. "Sie sind eine gute Idee", meint er.

Das Fehlen einer europäischen Öffentlichkeit

"Momentan gibt es keine europäische Öffentlichkeit, dafür aber sehr lebendige nationale Öffentlichkeiten", betonte Løkkegaard. Um dieses Problem zu lösen, müsse man von ganz unten anfangen, und Politiker in den Mitgliedsstaaten und der EU sollten Verantwortung übernehmen.

Um mehr Nachrichten zu EU-Themen in nationale Medien zu bekommen, sollten die die EU laut Løkkegaard Leitlinien für die öffentlich-rechtlichen Medien der Mitgliedsstaaten erstellen, um eine Grundversorgung der Bürger mit Informationen über die EU zu gewährleisten.

Gegen diesen Vorschlag äußerte die deutsche EU-Abgeordnete Petra Kammerevert (SPD) Bedenken: "Es ist nichts falsch daran, an die Sender zu appellieren, mehr über die EU zu berichten. Aber mit Leitlinien begebene wir uns auf eine abschüsssige Bahn."

Eine "Task-Force" unabhängiger Journalisten?

Ein weiterer Vorschlag Løkkegaards ist der einer "EU-Task-Force" unabhängiger Journalisten, die, ohne redaktionelle Kontrolle, täglich auf verschiedenen Medien und Kanälen nach journalistischen Kriterien produzierte EU-Berichterstattung veröffentlichen.

Kammerevert dazu: "Es steht in niemandes Interesse, Medienproduzenten oder Zeitungen aufzukaufen. Hier wird der Grenze zwischen uns und den unabhängigen Medien verwischt."

"Ich würde nicht mal im Traum daran denken, die redaktionelle Arbeit zu beeinflussen", antwortete Løkkegaard. Er plädierte dafür seine Ideen positiv aufzufassen nicht als einen Angriff auf den Journalismus.

Der Kulturausschuss wir über Løkkegaards Bericht voraussichtlich am 2. Juni abstimmen.

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