Montag, 29. August 2011

"Solidarnosc" und Simone Veil werden im Herzen Europas geehrt

Die Gebäude des EU-Parlaments tragen große Namen: Altiero Spinelli, Paul-Henri Spaak, Louise Weiss oder Willy Brandt. Am 30. August werden nun auch die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" und die französische Politikerin Simone Veil geehrt.

Jahrelang blieben der Platz und die Promenade vor dem Haupteingang des EU-Parlaments in Brüssel namenlos. Kurz nach Beginn der polnischen EU-Ratspräsidentschaft wird die Promenade nun nach der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc benannt, die maßgeblich am friedlichen Zusammenbruch des Ostblocks beteiligt war. Der von der Promenade eingerahmte Platz wird nach Simone Veil, der ersten Präsidentin des direkt gewählten EU-Parlaments benannt.

Der Platz (gelb) vor dem EP wird zur "Agora Simone Veil", 
die Promenade (blau) zur "Esplanade Solidarność 1980" 
Der Platz (gelb) vor dem EP wird zur "Agora Simone Veil",
die Promenade (blau) zur "Esplanade Solidarność 1980"
 
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Simone Veil: Zeitzeugin, Feministin, Europäerin

Die ehemalige Präsidentin des EU-Parlaments 
Simone Veil während einer Debatte  
Die ehemalige Präsidentin des EU-Parlaments
Simone Veil während einer Debatte

Veil wurde 1927 als Tochter einer jüdischen Familie in Nizza, Frankreich geboren. Mit ihrer Familie wurde sie 1944 von der Gestapo verhaftet und erst nach Auschwitz-Birkenau und später in die Konzentrationslager Bobrek und Bergen-Belsen verschleppt. Ihre Eltern und ihr Bruder starben im KZ.

Nach dem Krieg kehrte Veil nach Frankreich zurück und begann eine steile politische Karriere. Als französische Gesundheitsministerin stritt sie Anfang der 70er Jahre erfolgreich für die Legalisierung von Abtreibungen.

Ende der 70er Jahre wechselte sie in die EU-Politik und wurde 1979 zur ersten weiblichen Präsidentin des EU-Parlaments gewählt. Als EU-Abgeordnete gehörte sie dem Parlament bis 1993 an. Seit 2008 ist sie Mitglied der renommierten Académie Française. Simone Veil ist noch heute einer der beliebtesten öffentlichen Personen Frankreichs.

Solidarność: Gemeinsam für die Freiheit

Neben Simone Veil wird mit Solidarnosc auch eine Gewerkschaft geehrt. Aus einem Streik der Werftarbeiter in Gdansk entstand Anfang der 80er Jahre Polens erste unabhängige Gewerkschaft. Als Gegengewicht zum staatlichen Einheitsbrei gab Solidarność Regimekritikern eine Stimme. Innerhalb eines Jahres traten rund 9,5 Millionen Polen der neuen Gewerkschaft bei.

Doch auf Druck Moskaus ruderte die polnische Führung zurück, stellte das Land unter Kriegsrecht und verbat Solidarność. Die Gewerkschaft agierte aus dem Untergrund weiter und gilt heute als einer wichtigsten Akteure beim Sturz der kommunistischen Regime des ehemaligen Ostblocks. Noch heute inspiriert Solidarność Freiheitskämpfer weltweit, wie etwa derzeit in vielen nordafrikanischen Staaten.

Zu den Teilnehmern der feierlichen Namensgebung am 30. August gehören unter anderem: Lech Walesa, Nobelpreisträger und erster Vorsitzender von Solidarność, Jerzy Buzek, der Präsident des EU-Parlaments Jerzy Buzek, der seit 1980 Mitglied von Solidarność ist, und der Polnische Premierminister Donald Tusk

Programm:

  • 12.00: Europa-Hymne
  • 12.05-12.35: Reden von Jerzy Buzek, Donald Tusk, Lech Welesa, Wim Kok, Hans-Gert Pöttering, Jean Leonetti, José Manuel Barroso und Yves Leterme
  • 12.35: Enthüllung der Gedenktafeln
  • 12.25-13.10: Video, Volkstänze und Lieder
  • ab 20.00: Rockkonzert
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