Sacharow-Preis
Der Sacharow-Preis wird außergewöhnlichen Persönlichkeiten verliehen, die gegen Intoleranz, Fanatismus und Unterdrückung kämpfen.
Der "Sacharow-Preis für geistige Freiheit" wird jährlich vom Europäischen Parlament verliehen. Mit dem 1988 ins Leben gerufenen Preis werden Persönlichkeiten oder Organisationen ausgezeichnet, die sich für die Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen.
Das Europäische Parlament verleiht den mit 50.000 Euro dotierten "Preis für die Verteidigung der Menschenrechte" in einer feierlichen Sitzung um den 10. Dezember. An diesem Tag wurde 1948 die Allgemeine Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen unterzeichnet.
Wer war Andrej Sacharow?
Der Friedensnobelpreisträger von 1975, der russische Physiker Andrej Dmitrijewitsch Sacharow (1921-1989), war maßgeblich an der Entwicklung der Wasserstoffbombe beteiligt.
Besorgt über die Folgen seiner Arbeit für die Zukunft der Menschheit, versucht er, auf die Gefahr des atomaren Rüstungswettlaufs aufmerksam zu machen. Einen Teilerfolg erzielte er, als 1963 der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen unterzeichnet wurde.
In den 1970er-Jahren gründete Sacharow, der in der UdSSR als Dissident mit subversiven Ideen galt, ein Komitee zur Durchsetzung der Menschenrechte und zur Verteidigung politisch Verfolgter. 1975 wurde ihm für seine Leistungen der Friedensnobelpreis verliehen.
Die Gewinner des Sacharow-Preises:
- 2011 Aktivitsten des Arabischen Frühlings
- 2010 Guillermo Farinas
- 2009 Oleg Orlow, Sergei Kowaljow und Ljudmila Alexejewa - stellvertretend für die russisiche Bürgerrechtsorganisation Memorial und alle anderen Menschenrechtsverteidiger in Russland
- 2008 Hu Jia
- 2007 Salih Mahmoud Osman
- 2006 Alexander Milinkevich
- 2005 Ladies in White, Hauwa Ibrahim, Reporter ohne Grenzen
- 2004 Belarusian Association of Journalists
- 2003 UN Secretary General Kofi Annan und alle UN Angestellten
- 2002 Oswaldo José Payá Sardiñas
- 2001 Izzat Ghazzawi, Nurit Peled-Elhanan und Dom Zacarias Kamwenho
- 2000 Basta Ya!
- 1999 Xanana Gusmão
- 1998 Ibrahim Rugova
- 1997 Salima Ghezali
- 1996 Wei Jinsheng
- 1995 Leyla Zana
- 1994 Taslima Nasreen
- 1993 Oslobodjenje
- 1992 Las Madres de la Plaza de Mayo
- 1991 Adem Demaçi
- 1990 Aung San Suu Kyi
- 1989 Alexander Dubcek
- 1988 Nelson Mandela und Anatoli Marchenko (posthum)
Sacharow-Preis 2011 geht an Aktivisten des Arabischen Frühlings
Das Europäische Parlament vergibt den Sacharow-Preis für geistige Freiheit an fünf Vertreter der arabischen Länder in Anerkennung und zur Unterstützung ihres Kampfes für Freiheit und Menschenrechte.
Präsident Jerzy Buzek wird den Gewinnern den Preis am 14. Dezember in Straßburg während der regulären Plenarsitzung überreichen.
- Aktivisten des Arabischen Frühlings gewinnen den Sacharow-Preis 2011
- Drei Finalisten für den Sacharow-Preis 2011
Sacharow-Preis 2010 geht an den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas
2010 ging der Preis an den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas, dessen Kampf gegen die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in Kuba symbolisch für alle freiheitsliebenden Menschen steht.
Sacharow-Preis 2009 geht an russische Bürgerrechtsorganisation "Memorial"
Der Sacharow-Preis ging 2009 an die russische Bürgerrechtsorganisation "Memorial" sowie deren Mitarbeiter Oleg Orlow, Sergei Kowaljow und Ljudmila Alexejewa, stellvertretend für alle russischen Menschenrechtler.
- Sacharow-Preis ehrt russische Menschenrechtler
- Interview mit Oleg Orlow (Memorial-Vorsitzender)
- Sacharow-Preis 2009 geht an russische Bürgerrechtsorganisation
Leerer Stuhl und Standing Ovations für Sacharow-Preisträger 2008 Hu Jia im Europaparlament
Während der Verleihung des Sacharow-Preises an den inhaftierten chinesischen Menschenrechtler Hu Jia, dessen Abwesenheit im Straßburger Parlament durch einen leeren Stuhl versinnbildlicht wurde, übermittelte die Frau Hu Jias eine bewegende Video-Botschaft. Sie erinnerte daran, dass chinesische Bürgerrechtler sowie deren Familien für ihr Engagement oft einen hohen Preis zahlten. Sie kündigte an, den Sacharow-Preis für eine Stiftung zugunsten der Angehörigen von Bürgerrechtlern zu nutzen.
Hu Jias 25jährige Frau Zeng Jinyan, die als Cyber-Dissidentin gilt und unter Hausarrest steht, berichtete, dass es ihr von den Gefängniswärtern verboten worden war, mit Hu Jia über den Sacharow-Preis zu sprechen: "Wir wurden beide davor gewarnt, über seine Auszeichnung mit dem Sacharow-Preis zu sprechen".
Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering nannte den Tag der Preisverleihung "einen Tag, an dem wir uns ein Grundanliegen der Europäischen Union in Erinnerung rufen: Den Einsatz für Frieden, Fortschritt und Menschenrechte". Andrej Sacharow zitierend fügte er hinzu: "Es ist unmöglich, eines dieser Ziele zu erreichen, wenn man sich über die beiden anderen hinwegsetzt".
Hoffen auf Wandel und Freiheit
Auf die erzwungene Abwesenheit Hu Jias eingehend, sagte Pöttering: "Als 1988 der Preis zum ersten Mal verliehen wurde, war der Preisträger, Nelson Mandela, im Gefängnis. Im selben Jahr stand hier auch ein leerer Stuhl für Andrej Sacharow. Und heute steht hier ein leerer Stuhl für Hu Jia. Damals wie heute ehrten und ehren wir diese Menschen trotz ihrer erzwungenen Abwesenheit für ihr heldenhaftes Engagement."
Bevor eine Video-Botschaft von Hu Jias Ehefrau eingespielt wurde, die vom Plenarsaal mit Standing Ovations gewürdigt wurde, sagte der Parlamentspräsident: "Der Träger des Sacharow-Preises 2008, Hu Jia, wurde als Vertreter der zum Schweigen gebrachten Stimmen in China und Tibet nominiert, doch heute werden wir eine dieser Stimmen hören. Ich bin sicher, dass wir eines Tages auch Hu Jia selbst hier im Plenarsaal des Europäischen Parlaments hören werden können."
























Sacharow-Preis Broschüre (1854KB)